Mein Beitrag zum Tag des AdBlocker User Bashings

Egaler kann mir ein Thema eigentlich gar nicht sein, ich muss allerdings gerade für einen Kunden ein WordPress Plugin testen. Deshalb rante ich hier mal ungefiltert in die Tasten.

Es ist doch schön, wenn man mal Konkurrenzdenken, Futterneid oder Überlebenskampf beiseite lassen kann und partei- und klassen-übergreifende Absprachen trifft um dann mal etwas gemeinsam zu machen. So geschehen heute in der Landschaft der Onlineausgaben ehemals großer Tageszeitungen. Stellt sich doch gleich die berechtigte Frage, was für ein Mist da wieder ausgebrütet wurde wenn geballte Qualitätsschreiberlingspackkompetenzverlagsmacht gebündelt wurde. War echt nichts berühmtes, können wir beruhigt sein. Ein kollektiver Bettel- und Anschnorrversuch, mehr bringen die Kollegen eben auch nicht zu Stande.

Screenshot Zeit Online
Die Zeit Online bittet ihre Leser den Adblocker abzuschhalten

 

Einblendungen wie diese (s.o.) erscheinen heute bei diversen Onlineausgaben großer Verlage. Kontext ist überall gleich, man freue sich, dass ich da sei, blah blah … vielfach preisgekrönt … blah blah  … aufwändig … blah blah … Qualität … Sie nutzen einen Adblocker … Werbung … blah blah … Finanzierung usw.

Zum Schluss bittet man mich, den Adblocker auf dieser Website zu deaktivieren.

Nö Leute, mache ich nicht…

Aus Gründen. Mir geht es nicht um die Werbung. Ich bin absolut werbeblind. Zu 100%. Ich nehme den Scheiß überhaupt nicht wahr. Ich schaue da nicht drauf und klicke da auch nicht drauf – aber Moment, ihr habt ja die coolen Programme, wo ihr per Einblendung bezahlt werdet, muss man gar nicht mehr klicken – ich gebe auch nichts darauf, dass sich Firmen und Konzerne, die Politik lassen wir mal ganz außen vor, bei euch einkaufen und die Berichterstattung verwässern. Ist mir alles furzegal, ich glaube euch sowieso kein Wort mehr.

Mir geht es einzig und alleine um die Platzverschwendung.

Wenn ich einmal in der Woche Fußballergebnisse wissen möchte oder mal wieder herzerfrischend lachen will, weil die Sueddeutsche einen ihrer qualitätsjournalismusgerecht recherchierten Vogelgrippe-Panikmache-kauft-Antibiotika-oder-lasst-euch-wenigstens-impfen Artikel loslässt – dann will ich nicht noch einen halben Meter dämliche Werbebanner wegscrollen müssen. Oder die von oben über Eck den rechten Rand runter Geschichten, das nervt tierisch. Sternzeichen faule Sau eben.

Das war’s.

Mehr habe ich zu dem Thema nicht mehr zu sagen. Qualitätsjournalismus ist in Deutschland schon vor Jahrzehnten den Bach runter gegangen, bald gibt es nur noch Google-News und wen interessieren eigentlich noch deutsche Zeitungen? Vor allem, was soll ich eurem Geschreibsel entnehmen, dass mich bildet oder mir hilft, mich weiterzuentwickeln? So lange die deutschen Journalisten nicht ihre Köpfe aus ihren oder fremden Ärschen herauskriegen und endlich wieder aufwachen und die Dinge beschreiben, die da draußen passieren – nicht vorsichtig bewerten oder andeuten und interpretieren, dafür sind andere zu ständig, ihr sollt aufdecken, an das Licht bringen und auch denen eine Plattform bieten, die sonst nirgendwo Gehör finden; ich will nur neutrale objektive Informationen, meine Meinung bilde ich mir schon selber – solange mache ich einen großen Bogen um die inländische Presse.

Lest ausländische Zeitungen…

Wenn ich mich über dieses Land informieren möchte, lese ich ausländische Zeitungen oder besuche die entsprechenden Websites. Macht das mal, das wirft ein völlig neues Licht auf viele Dinge. Die Schreiberlinge dort sind wahrscheinlich genau so beschmiert wie die hiesigen, aber genau wie hier holen sie sich ihre braunen Nasen meistens bei innenpolitischen Themen. Über das Ausland schreibt es sich dann schon etwas freier. Außerdem hat man so noch jede Menge Gelegenheiten, seine Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern.

Und dann?

Ich warte jetzt mal ein paar Tage ab, ob die komischen Einblendungen wieder verschwinden, sonst fliegen die letzten deutschen Zeitungen auch noch aus den Lesezeichen raus. Für Sportergebnisse gibt es auch passende Apps für das Smartphone.

Noch einige Anmerkungen:
1. Man kann auch auf die jeweiligen Mobil-Apps der Zeitungswebsites zurückgreifen, ich probiere es gerade aus, die „Zeit“ lese ich jedenfalls auf dem Android Handy im Firefox völlig werbefrei.
2. Adblocker deaktivieren und die Werbeeinblendungen im Webbrowser Firefox am PC von der Erweiterung NoScript blockieren lassen, geht auch. Der Betteltext ist dann weg, die Werbung sieht man aber auch nicht.
3. Nutzt Tools wie Pocket/ReaditLater oder Readability, die sollten noch funktionieren.

Leider werden dadurch die Inhalte aber auch nicht besser. Und um die ging es ja früher mal.

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fraumeike.de meldet sich ebenfalls zu dem Thema, allerdings aus einer etwas anderen Richtung, Sie hasst nämlich Werbung.

Mahlzeit

 

1 Gedanke zu “Mein Beitrag zum Tag des AdBlocker User Bashings”

  1. So ganz grundsätzlich stimme ich dir ja zu. Mich nervt Werbung auch und die Qualität der meisten journalistischen Erzeugnisse lässt ziemlich zu wünschen übrig. Dennoch: die finanzieren sich nun mal über die Werbung und deshalb kann ich diese auch akzeptieren, da sie mich kostenlos konsumieren lässt. Schlimmer ist doch die Alternative, die sich schon zunehmend durchzusetzen versucht: Zugriff nur noch gegen Bezahlung.

    Dein undifferenziertes Gewettere gegen deutsche Onlinezeitungen macht dann auch keinen Sinn, denn wenn die alle so schlecht sind, musst du sie ja nicht lesen! Dann brauchst du auch keinen Werbeblocker aus Protest. Und gute Quellen haben es verdient, entlohnt zu werden. Deshalb finde ich Werbeblocker in den meisten Fällen sehr eigennützig. Aber Geiz ist ja geil und über alles meckern sowieso.

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